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Mehlschwalben-Förderprojekt

mehlschwalben pixabay org

Die Mehlschwalben werden immer seltener – nicht nur schweizweit, sondern auch im Unteramt. Der Verein Naturnetz Unteramt hat sich daher zum Ziel gesetzt, ihnen unter die Flügel zu greifen. An Häusern, wo noch Schwalben brüten, werden weitere Nisthilfen aufgehängt.

Start der Mehlschwalben-Aktion war im Frühling 2018. Vorstandsmitglieder zählten mit Hilfe einiger Helfer die Mehlschwalben-Nester in den Gemeinden Bonstetten und Wettswil und versuchten, alle Niststandorte zu finden. Das Ergebnis war etwas ernüchternd – sie fanden nur noch etwa 24 besetzte Nester an fünf Standorten. Im Herbst kontaktierte der VNU daher alle Hausbesitzer und -verwalter, um zu erreichen, dass weitere Nisthilfen angebracht werden können. Ab Dezember 2018 war es soweit: An drei Standorten konnten weitere Nester montiert werden, und auf dem Hof der Familie Locher wurden alle 24 bestehenden Nisthilfen gereinigt.

Die zweitgrösste Kolonie nach jener der Familie Locher befindet sich an den "Spar-Häusern" an der Dorfstrasse in Bonstetten. Dort konnte der VNU am 12. Februar 2019 mit Hilfe der Feuerwehr 12 neue Nester aufhängen. Später ging es zum Spitexhaus an der Dorfstrasse 1, wo weitere acht Nester montiert wurden.

In Wettswil wurde 2018 ebenfalls eine Kolonie aus 6 besetzten Nestern entdeckt. Auch dort hängte der VNU im Dezember 2018 zehn neue Nester auf. An einem weiteren Haus installierten wir 4 neue Mauerseglerkästen, um die bestehende Kolonie zu vergrössern. An einem weiteren Standort bei den Ziegeleiweihern wurden schon früher Schwalbennester und Mauerseglerkästen aufgehängt, die jedoch von den erwähnten Arten noch nicht besiedelt worden sind.

In Stallikon soll die Aktion 2019 fortgesetzt werden. An den bekannten Orten zählt der VNU die besetzten Nester und wird mit den Hausbesitzern das Gespräch suchen. Zudem ist die Bevölkerung aufgerufen, alle Niststandorte zu melden (bitte an Stefan Bachmann, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). So ist es hoffentlich möglich, weitere Nisthilfen aufzuhängen.

Die Mehlschwalben-Aktion ist dringend nötig, da die Schwalben immer seltener werden. Noch in den 1990er-Jahren wurde der Bestand in der Schweiz auf 100'000 bis 200'000 Paare geschätzt. Er ist seither um mehr als die Hälfte auf 70'000 bis 90'000 Paare geschrumpft. Die starke Abnahme der Bestände hat gar dazu geführt, dass die Art als potenziell gefährdet eingestuft werden musste. Die Sektionen von BirdLife Schweiz – darunter der VNU – haben sich daher zum Ziel gesetzt, der Art zu helfen.

Die Mehlschwalbe leidet unter zwei Problemen. Einerseits findet sie immer weniger Insekten. Die intensive Landwirtschaft fordert ihren Tribut: Es gibt immer weniger Hecken, Feuchtstellen oder Brachland. Der Verbrauch an Pestiziden in der Schweiz ist hoch; die Wiesen werden artenärmer. Zudem werden ständig neue Flächen verbaut. Das andere Problem ist der Mangel an Nistmaterial und Nistplätzen. Vielerorts fällt es den Schwalben schwer, Lehmklümpchen für den Nestbau zu finden. Nester werden manchmal mutwillig zerstört, trotz des Schutzes der Vögel und ihrer Nester gemäss Jagd- und Schutzgesetz sowie Natur- und Heimatschutzgesetz. Umso schöner ist es, dass es auch Menschen gibt, die die Schwalben willkommen heissen. Hausfassaden können gut mit Kotbrettern vor Verschmutzungen geschützt werden.

Wer selber Schwalben fördern oder etwas für die Natur rund ums Haus tun möchte, findet bei BirdLife Schweiz unter www.birdlife.ch/ratgeber viele Anleitungen. Auch der VNU unterstützt Sie gerne mit Tipps und Anregungen.
 


 Fotogalerie:

 

Text: Stefan Bachmann, Fotos: Stefan Bachmann, Liz Stallkamp, Ernst Enz. Foto oben: Pixabay.org